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06. Mai 2015   Pressemitteilungen

Jugendhilfe – ein lohnenswertes Geschäft?

Veronika HP KandidaturDiesen Eindruck kann man bekommen, wenn man die Berichterstattung der letzten Tage und Wochen bzgl. der stationären Betreuung von Kindern und Jugendlichen verfolgt.

„Da ist die Rede von ´Mit Kindern Kasse machen´ und´Geschäftsmodell Jugendhilfe´. Da werden Kinder und Jugendliche, die dringend sozialpädagogische Hilfen brauchen, in dubiose Auslandseinrichtungen quasi abgeschoben und die Verantwortlichen erlassen Maulkorberlasse per einstweiliger Verfügung“, fasst Daniel Kleibömer den augenblicklichen Sachstand zusammen.

„Das Ergebnis: Ein ganzes Arbeitsfeld der sozialen Arbeit steht am Pranger!“ sagt Veronika Buszewski, stellt aber auch klar: „Zu unrecht! Denn nicht wahrgenommen wird, wie viele erfolgreiche Hilfen gerade die Jugendhilfe in Zeiten erodierender Familienstrukturen, übelsten Leistungsdrucks und Reizüberflutungen insgesamt durchgeführt hat!“

„Dass der Vorwurf: ´Jugendhilfe – ein lohnenswertes Geschäft!´ zumindest in Teilsegmenten dennoch berechtigt ist, liegt nicht an der Jugendhilfe als Ganzem, sondern an den gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, dass sich gewinnorientierte, privat-rechtlich organisierte Gesellschaften in Zeiten knapper Haushaltsmittel immer mehr am sogenannten Markt ´Jugendhilfe´tummeln. Ein Markt, der eigentlich kein Markt ist, sondern ein Hilfsangebot“, so Kleibömer weiter.

„Entlarvend ist es, wenn es heißt: ´ Private Unternehmen in der Kinder-, und Jugendhilfe stellen mit ihren Leistungsangeboten sicher, dass nicht nur ein Qualitäts-, sondern auch ein Preis Wettbewerb zwischen den unterschiedlichen Anbietern zum Wohl von Staat und Gemeinschaft stattfindet. Ein offener und fairer Wettbewerb von unterschiedlichen Leistungsanbietern ist der Garant für Wachstum, Wohlstand, Qualität und Kostentransparenz in Staat und Gesellschaft´“, zitiert Buszewski den Bundesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e. V.     

Aber nicht nur, dass zunehmend solche private Unternehmen tätig sind, bringt die Jugendhilfe als Ganzes in Verruf, sondern auch die mangelnden Kontrollmöglichkeiten. Daniel Kleibömer: „Eine Art Heimaufsicht, wie z.B. für die Überwachung von Heimen für ältere oder pflegebedürftige Menschen durch eine staatliche Stelle, gibt es in der Kinder- und Jugendhilfe nicht. Zwar mag eine Form der Kontrolle bei Trägern, die in Herne oder direkter Umgebung tätig sind, in der Regel durch die enge Zusammenarbeit vor Ort im Rahmen des Hilfeplanverfahrens stattfinden. Doch wie sieht es aus bei Angeboten, die hunderte Kilometer weiter entfernt durchgeführt werden? Die dann noch nicht einmal direkt vom örtlichen Jugendamt initiiert worden sind, sondern von einer zwischengeschalteten Einrichtung?“

Buszewski: „Dass ausgerechnet sich gerade dort die privat-rechtlichen Anbieter breit machen, ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass deren erstes Ziel nun mal nicht Hilfe ist, sondern Gewinn erzielen!“

„Auf den ersten Blick scheint in Herne jetzt alles in Ordnung zu sein – auch wenn heute bekannt geworden ist, das ein Jugendlicher an einer Hilfemaßnahme in einer Einrichtung des Trägers Neustart in Ungarn teilgenommen haben soll. Fakt ist aber auch: Zur Zeit nehmen fünf Kinder und Jugendliche stationäre Hilfsangebote im Ausland in Anspruch. Weitere vier Angebote außerhalb NRW´s. Kontrollen über diese Angebote finden maximal einmal in sechs Monaten statt. Können wir uns also sicher sein, dass wirklich alles in Ordnung ist? Nein – zumindest so lange nicht, wie wir nicht wissen, wer die Träger dieser Maßnahmen sind, mit welchem Konzept sie arbeiten und wie das Angebot praktisch vor Ort aussieht“´, fordert Kleibömer.

Buszewski: „Denn eins ist klar: Die beschriebenen Fehlentwicklungen im System Jugendhilfe gilt es zurückzudrehen. Dazu gehört in einem ersten Schritt die Schaffung von Transparenz (Welche Träger übernehmen welche Hilfsangebote in Herne), in einem zweiten Schritt der Verzicht bei der Vergabe von Hilfen für Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsenen bei schwarzen Schafen. Dazu gehören für uns auf jeden Fall  privatrechtlich und gewinnorientierte Träger.“

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